Die deutsche Gasversorgungslandschaft befindet sich mitten in einem der größten Infrastrukturprojekte ihrer Geschichte: der Marktraumumstellung. Schritt für Schritt werden alle Regionen, die bisher mit sogenanntem L-Gas versorgt wurden, auf H-Gas umgestellt.
Was für private Haushalte meist vollautomatisch über den Netzbetreiber geregelt wird, stellt Betreiber von gewerblichen und industriellen Laboratorien sowie Schulen vor konkrete Fragen: Was passiert mit unseren Labor-Gasbrennern? Besteht ein Sicherheitsrisiko und müssen alle Geräte teuer ersetzt werden? Unser Ratgeber erklärt die technischen Hintergründe und die unkomplizierte Lösung.
Der Unterschied: L-Gas vs. H-Gas
Die Buchstaben „L“ und „H“ stehen für die chemischen und energetischen Eigenschaften des Erdgases, die je nach Herkunftsregion variieren:
- L-Gas (Low calorific gas): Stammt traditionell aus deutschen und niederländischen Vorkommen. Es hat einen höheren Anteil an Stickstoff und Kohlendioxid, weshalb der Methangehalt (und damit der Brennwert) niedriger ist. Er liegt meist zwischen 8 und 10 kWh/m³.
- H-Gas (High calorific gas): Stammt primär aus der Nordsee (Norwegen) und anderen internationalen Quellen. Es ist wesentlich reiner, hat einen Methangehalt von bis zu 98 % und einen deutlich höheren Brennwert von etwa 10 bis 12 kWh/m³.
Warum reagieren Laborbrenner auf die Umstellung?
Ein nach DIN 30665 gefertigter Gasbrenner ist ein fein abgestimmtes Präzisionsinstrument. Das Verhältnis von der präzise gebohrten Gasdüse am Brennerfuß und der Luftregulierung im Rohr ist exakt auf den Energiegehalt des Gases ausgelegt.
Wird nun das energiereichere H-Gas durch eine Düse geleitet, die für L-Gas dimensioniert ist, strömt bei gleichem Betriebsdruck (20 mbar) schlagartig zu viel Energie in den Brenner.
Die spürbaren Folgen im Versuchsaufbau:
- Unruhiges Flammbild: Die Flamme neigt dazu, unkontrolliert zu rauschen oder „abzuheben“ (der Gasstrom ist schneller als die Brenngeschwindigkeit).
- Extreme Hitzeentwicklung: Die Temperaturen steigen unkontrolliert an, was empfindliche chemische Reaktionen gefährdet.
- Rußbildung: Weil für die große Energiemenge nicht genug Sauerstoff über die Luftzufuhr angesaugt werden kann, verbrennt das Gas unvollständig. Es entsteht Ruß, der Laborglas und Stativmaterial verschmutzt.
Die Entwarnung: Müssen neue Brenner gekauft werden?
Die klare Antwort lautet: Nein. Ein kompletter Austausch der vorhandenen Bunsenbrenner, Teclubrenner oder Mekerbrenner ist in den allermeisten Fällen absolut wirtschaftlich unrentabel und technisch nicht notwendig.
Da die Geometrie des Brennerrohres und die Mechanik der Ventile bei L- und H-Gas identisch sind, beschränkt sich die Anpassung fast ausschließlich auf ein einziges Bauteil: die Gasdüse im Brennerfuß.
- Die L-Gas-Düse hat eine leicht größere Bohrung, um die geringere Energiedichte des Gases durch mehr Volumen auszugleichen.
- Die H-Gas-Düse besitzt eine minimal engere Bohrung, da das H-Gas komprimierter und energiereicher einströmt.
Die Lösung von Usbeck: Düsentausch statt Neukauf
Als deutscher Hersteller von Qualitäts-Laborbedarf unterstützt Usbeck Laboratorien und Bildungseinrichtungen bei der reibungslosen Gasumstellung.
Der Ablauf der Umrüstung:
- Bestandsaufnahme: Prüfen Sie, welche Brenner-Modelle in Ihrem Labor im Einsatz sind.
- Ersatzteil-Beschaffung: Im Usbeck-Sortiment finden Sie exakt kalibrierte H-Gas-Austauschdüsen für alle gängigen Usbeck-Brennertypen.
- Der Wechsel: Die Düsen lassen sich mit Standardwerkzeug mit wenigen Handgriffen am Brennerfuß herausschrauben und gegen die neuen H-Gas-Düsen ersetzen.
- Zukunftssichere Alternative: Wer von vornherein maximale Flexibilität wünscht, setzt auf Allgasbrenner von Usbeck. Diese sind so konzipiert, dass sie über feinstufige Nadelventile oder schnell wechselbare Düsensätze im Handumdrehen an veränderte Gasarten angepasst werden können.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Die Umrüstung von Laborbrennern sollte aus Haftungs- und Sicherheitsgründen immer von einer fachkundigen Person (z. B. dem Laborleiter, Sicherheitsbeauftragten oder einem externen Servicetechniker) durchgeführt und dokumentiert werden.
Fazit für Betreiber und Einkäufer
Die Umstellung auf H-Gas ist kein Grund zur Sorge, sondern erfordert lediglich eine strategische Anpassung. Durch den gezielten Tausch der Düsen stellen Sie sicher, dass Ihre Laborgeräte weiterhin absolut sicher, rußfrei und präzise nach den Vorgaben der DIN 30665 arbeiten – bei einem Bruchteil der Kosten eines Neukaufs.
FAQ:
- Was passiert, wenn man einen L-Gas Bunsenbrenner mit H-Gas betreibt?
Da H-Gas einen deutlich höheren Brennwert hat, führt der Betrieb ohne Anpassung zu einer unruhigen, extrem heißen Flamme, zum Abheben der Flamme oder zu starker Rußbildung, da das Luft-Gas-Verhältnis nicht mehr stimmt.
- Wie erkenne ich, ob mein Laborbrenner für H-Gas geeignet ist?
Moderne Brenner haben oft eine Kennzeichnung am Fuß oder an der Düse (z.B. „E“ oder „H“ für H-Gas). Fehlt diese, gibt die Bohrung der Düse Aufschluss. Im Zweifel hilft der Austausch gegen eine zertifizierte H-Gas-Düse des Herstellers.
- Wer zahlt die Umstellung der Laborbrenner auf H-Gas?
Während bei privaten Haushaltsgeräten oft der Netzbetreiber die Kosten trägt, sind Betreiber von gewerblichen Laboren oder Schulen in der Regel selbst für die normgerechte Anpassung und Sicherheit ihrer Laborausstattung verantwortlich.
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