Know-how

Flüssiggas im Labor: Können Laborbrenner mit LPG betrieben werden?

In vielen Situationen ist ein fester Anschluss an das städtische Erdgasnetz im Labor nicht vorhanden oder schlicht nicht wirtschaftlich – sei es in temporären Forschungscontainern, bei Feldanalysen im Außeneinsatz, in historischen Schulgebäuden oder beim mobilen Arbeiten auf Messen.

Die logische Alternative lautet: LPG (Liquefied Petroleum Gas / Flüssiggas) aus Flaschen oder Gaskartuschen. Doch darf man jeden herkömmlichen Bunsenbrenner, Teclubrenner oder Mekerbrenner einfach an eine Propan- oder Butanflasche anschließen?

Die Antwort lautet: Ja, aber niemals ohne die passende technische Modifikation! Wer hier unbedacht handelt, riskierte schwere Unfälle. Unser Leitfaden erklärt, worauf es ankommt.

Um zu verstehen, warum man Brenner nicht einfach eins zu eins umstecken darf, muss man die physikalischen Eigenschaften der Gasarten vergleichen:

  • Erdgas (Zentralnetz): Besteht fast vollständig aus Methan (CH₄). Es ist leichter als Luft und hat einen moderaten Brennwert. In deutschen Laboren liegt der standardisierte Betriebsdruck bei niedrigen 20 mbar.
  • LPG / Flüssiggas (Flasche/Kartusche): Ist ein Gemisch aus Propan (C₃H₈) und Butan (C₄H₁₀). Es wird unter Druck verflüssigt, ist schwerer als Luft und besitzt einen mehr als doppelt so hohen Brennwert wie Erdgas. Zudem arbeiten Flüssiggasanlagen im Labor standardmäßig mit einem höheren Betriebsdruck von 50 mbar.

Das Problem liegt in der Geometrie der Gasdüse, die im Fuß des Brenners sitzt.

Da Erdgas weniger Energie pro Volumeneinheit liefert, besitzen Erdgas-Brenner eine relativ große Düsenbohrung, um ausreichend Gas in das Brennerrohr strömen zu lassen. Schließt man diesen unveränderten Erdgas-Brenner nun an eine Flüssiggasquelle mit 50 mbar an, passiert Folgendes:

  1. Durch die viel zu große Düse schießt das hochkonzentrierte, energiereiche Flüssiggas mit hohem Druck in den Brenner.
  2. Die Luftregulierung des Brenners kann gar nicht so viel Sauerstoff ansaugen, wie für eine saubere Verbrennung dieser gewaltigen Energiemenge nötig wäre.
  3. Beim Entzünden entsteht eine unkontrollierbare, mehrere Meter hohe, rußende Stichflamme. Es besteht unmittelbare Brand- und Verletzungsgefahr im Laboratorium!

Damit der Betrieb mit Propan oder Butan absolut sicher und nach den Vorgaben der DIN 30665 abläuft, müssen drei technische Komponenten exakt aufeinander abgestimmt sein:

1. Die richtige Gasdüse (Die Engstelle)

Flüssiggas-Brenner benötigen eine Düse mit einer extrem feinen Bohrung. Nur so wird die einströmende Gasmenge exakt so dosiert, dass im Brennerrohr ein optimales, zündfähiges Gas-Luft-Gemisch entsteht. Die Flamme brennt dadurch gewohnt ruhig, scharf abgegrenzt und intensiv blau.

2. Der passende Druckminderer

Der Druck in einer Propan-Gasflasche kann je nach Außentemperatur weit über 5 bar betragen. Ein direkter Anschluss an den Brenner würde diesen zerstören. Zwischen Flaschenventil und Gasschlauch muss zwingend ein Labor-Druckregler geschaltet werden, der den Druck konstant auf die benötigten 50 mbar herunterregelt.

3. Allgasbrenner oder dedizierte Flüssiggas-Modelle

Beim Kauf von Usbeck-Laborbrennern haben Sie zwei Optionen:

  • Spezifische Flüssiggas-Modelle: Diese werden ab Werk direkt mit der passenden 50-mbar-Flüssiggasdüse ausgeliefert.
  • Allgasbrenner: Diese Allrounder verfügen über universelle Düsensysteme oder hochpräzise Nadelventile. Sie können durch einen einfachen Düsentausch im Handumdrehen von Erdgas auf Flüssiggas umgerüstet werden – ideal für Labore, die maximale Flexibilität benötigen.

Der Sonderfall: Mobiler Betrieb per Kartuschenbrenner

Wer maximale Unabhängigkeit sucht und auf schwere Gasflaschen verzichten möchte, greift zum Kartuschenbrenner. Diese kompakten Geräte nutzen kleine Gaskartuschen (meist mit einem Butan-/Propangemisch).

Da diese Brenner von Vornherein für den Betrieb mit Flüssiggas konstruiert sind, entfällt das Risiko einer Düsenverwechslung. Hochwertige Modelle verfügen zudem über eine integrierte Zündsicherung, die den Gasstrom sofort blockiert, sollte der mobile Brenner im Eifer des Gefechts einmal umkippen oder die Flamme durch Zugluft erlöschen.

Der Betrieb von Laborbrennern mit LPG (Flüssiggas) ist eine absolut sichere und bewährte Methode – sofern die Technik stimmt. Betreiben Sie niemals einen ausgewiesenen Erdgas-Brenner an einer Flüssiggasflasche. Durch den Einsatz dedizierter Flüssiggas-Düsen, passender 50-mbar-Druckminderer oder flexibler Allgasbrenner von Usbeck gewährleisten Sie einen sicheren, rußfreien und normkonformen Versuchsaufbau.


  • Kann man einen Bunsenbrenner an eine Propangasflasche anschließen?
    Ja, das ist möglich, aber der Brenner muss zwingend mit einer speziellen, engeren Flüssiggas-Düse ausgestattet sein und über einen Druckminderer mit exakt 50 mbar Betriebsdruck betrieben werden. Ein unmodifizierter Erdgas-Brenner führt zu gefährlichen Stichflammen.
  • Was ist der Unterschied zwischen Erdgas- und Flüssiggas-Bunsenbrennern?
    Der wesentliche Unterschied liegt in der internen Gasdüse. Erdgas-Brenner haben eine größere Düsenöffnung (ausgelegt auf 20 mbar), während Flüssiggas-Brenner eine wesentlich kleinere Bohrung besitzen (ausgelegt auf den höheren Brennwert und 50 mbar Druck von LPG).
  • Welcher Druckminderer wird für Laborbrenner bei Flüssiggas benötigt?
    Für den Betrieb von Labor-Gasbrennern mit Flüssiggas (Propan/Butan) ist in Deutschland ein Druckregler vorgeschrieben, der den Flaschendruck konstant auf einen Ausgangsdruck (Fließdruck) von 50 mbar reduziert.

zurück
1050 Bunsenbrenner-Allgas
Die Lösung für maximale Flexibilität: Allgasbrenner

Katalog


USBECK Katalog

Alle Produkte und viele Informationen rund um USBECK Laborgeräte finden Sie in unserem Katalog (PDF ca. 20 MB).

Kontakt


Carl Friedrich Usbeck KG
Industriestr. 12-14
42477 Radevormwald

Tel.: +49 (02195) 91 18-0
Fax: +49 (02195) 91 18-40
E-Mail: info@usbeck.eu